Faust schreibt einen Abschiedsbrief

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Die Tragödie Faust I von Johann Wolfgang von Goethe ist wahrlich eines der schwierigsten und großartigsten Werke des Wissenschaftlers und Schriftstellers J.W. von Goethe. Auf dem Goethe Faust-Portal entdecken Sie zahlreiche ausführliche Musteraufsätze zum Tragödie Faust I. Erörterungen, Interpretationen sowie Zusammenfassungen der einzelnen Szenen vom ersten Teil Faust zu den Themen wie Gretchenfrage, Gretchentragödie oder Fausts Gelehrtendramatik stehen auf dem Faust-Goethe Portal allen Interessierten zur Verfügung.

Aufsätze, Charakterisierungen von Faust, Mephisto und Gretchen sowie Interpretationen und die Analyse der Goethes Tragödie Faust sind sicherlich nicht so einfach zu schreiben aber dennoch machbar. Ganz schwer wird es dann, wenn man einen Brief aus der Sicht einer im Drama agierenden Figur verfassen soll. Beispielsweise könnten Sie in einer Klassenarbeit eine Aufgabe erhalten, einen Abschiedsbrief aus Fausts Perspektive zu schreiben. Was soll man in so einem Fall tun? Dies ist mitunter eine der schwierigsten Aufgaben, die einem gestellt werden kann. Schließlich muss der Verfasser die Hauptfigur Faust, seinen Charakter sehr gut kennen. Hierzu ist es von Vorteil den Charakter von Faust, sein Verhalten genau zu analysieren, um die Beweggründe seines Handelns und seine Träume besser verstehen und deuten zu können. So muss der Schreiber sich gänzlich in die legendäre Figur Faust versetzen und seiner hohen poetischen Sprache so gut er kann mächtig werden. An dieser Stelle soll erwähnt werden, dass der Verfasser sich nicht nur mit dem Charakter Fausts sondern auch mit seinem erlesenen Sprachgebrauch intensiv befassen muss. Deshalb gilt es darauf zu achten, welche Ausdrücke Faust am häufigsten verwendet und wie er sie  gebraucht. Meistens gleicht sein Redefluss einem Gedicht, welches mit Reimen ausgefüllt ist. Allerdings ist die Sprache sowohl von Faust als auch von Gretchen und Mephisto in Bezug auf Gedicht alternierend strukturiert. An manschen Stellen wird der poetische Redefluss durch Prosa unterbrochen.

So alles in einem kann eine solche Aufgabe als ein „kreatives Schreiben“ aus einer der Perspektive einer literarischen Figur bezeichnet werden. Damit Sie ein besseres Verständnis der Tragödie Faust 1 von J.W. von Goethe entwickeln und sich ein Bild davon machen können, wie Sie aus Fausts Perspektive einen Abschiedsbrief schreiben könnten, präsentiert Ihnen der Goethe Faust Portal ein anschauliches und brillantes Beispiel eines solchen Aufsatzes. Der folgende Aufsatz wurde von einer ehemaligen Schülerin verfasst und mit ihrer Erlaubnis auf dem Faust Goethe Portal veröffentlicht. Dieser Aufsatz zum Faust erster Teil soll den Schülern eine Hilfe für Hausaufgaben und Klassenarbeiten sein.

Fausts letzter Brief

Gedanken sind ganz wirr, der kopf ganz schwer
Frische Luft ist wie ein Stein in meiner Kehle
Nun sehe ich schon die Sterne über mir
Mein Körper leer, verlassen von der Seele
Ich nehm die Feder, warte altes Weib
Geduld, bald werde ich mit dir fortgehen
Ich bitt` dich nicht um Gnade, gib mir Zeit
Meine Gedanken auf Papier zu sehen.

Ich frage mich: was hab ich schon erreicht?
Mein Leben lang war ich vom Wissensdrang getrieben
Vom Hab und gut ist mir am Ende nichts geblieben.
Die Welt der Studien und Fragen war mein Reich
Nach Wahrheit und Erkenntnis strebte ich
Und habe dafür einiges getan
Das Wissen, wie des Feuers helles Licht
Zog mich wie eine Motte in seine Bahn
Es hält mich jetzt noch fest und lässt nicht los…
Die Hand wird schwer, sie will die Feder nicht mehr halten
Warte, Tod! Lass mich noch ausreden bis zum Schluss.

Jetzt sehe ich die verschwommenen Gestalten
Meiner Vergangenheit. Sie möcht` ich auch sprechen
Ich ruf“ Erinnerungen von einem Mädchen.
Mein liebes Gretchen, süßes Kind!
Verzeih`, dass ich in deinen Armen keine Ruhe find!
So manche Stund ` war mit dir so sündhaft kostbar,
Doch Gier nach Wissen treibt mich immer weiter.

Mephisto, du mein allerliebster Feind!
Gewiss, ich hatte auch meine Freud`
An unserer kleinen Wette, wenn auch am Anfang
Es mir schwer fiel an deine Macht zu glauben
Es ist dir aber trotzdem nicht gelungen
Mich ganz von meinem Wege abzubringen
Gehe, verführ die Dummen dieser Welt
Und mess` dich nicht mit wohl gelehrtem Mann
Und was ich anderen Menschen raten kann,
Ist: lernt und hinterfragt und strebt und drängt!

Nun bin ich dein, dunkle Gestalt, führ mich jetzt fort.
Ich strebte ein Leben lang, jetzt ist das Ende nah,
nun streb` ich nach dem Tod.

Von Tatjana Wall

KsG.